Empathie – verstehen – Empathisches Zuhören

Empathie – verstehen – Empathisches Zuhören

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Was ist Empathie?

„Die meisten Menschen hören nicht mit der Absicht zu, zu verstehen; sie hören zu, um etwas zu sagen“
 — Stephen Covey

Wir haben alle schon einmal Stephen Coveys Zitat der fünften Gewohnheit gehört:

Versuche zuerst zu verstehen, dann erst verstanden zu werden.

Eine der besten Definitionen „Empathisches Zuhören“ zu beschreiben kommt von Covey selbst:

Er sagte, dass es nicht darum geht solange zuzuhören, bis Du alles verstanden hast.
Es geht darum, solange zuzuhören, bis sich die andere Person verstanden fühlt.

Im Kontext dieser Webseite ist das die Fähigkeit und Bereitschaft

  • Gedanken 
  • Emotionen
  • Motive
  • Charaktereigenschaften

einer anderen Person zu verstehen. Und auch darüber hinaus.
Wichtig ist auch für die Situation eines anderen Verständnis zu zeigen und sich in die andere Person hineinversetzen zu können.

Mindestens auf diese 5 Dinge solltest Du achten, als Wegweiser für ein besseres Zuhören und damit auch ein viel besseres Gespräch:

Beachte diese 5 Punkte in einer Konversation:

  1. Aufmerksamkeit auf die andere Person richten und jede mögliche Ablenkung soweit wie im Moment möglich reduzieren.
    1. Sich am besten in einer ruhigen Umgebung ohne Email, Telefon und andere Menschen unterhalten.
  2. Zeigen, dass man zuhört:
    1. Die Person anschauen.
    2. Mit dem Körper oder der Stimme signalisieren, dass man zuhört. 
      Lass Deinen Gesprächspartner wissen, dass Du zuhörst.
    3. Beachte Deine Körpersprache und Deine Körperhaltung.
  3. Sage nochmal in eigenen Worten, was gesagt wurde.
  4. Gib der Stille Raum.
  5. Gib konstruktives Feedback und ermutige den anderen weiterzuerzählen.

Kann das jeder von uns von Natur aus: Empathisch Zuhören?
Sicher bringt jeder von uns ein gewisses Maß an Empathie mit.
Die Level sind jedoch total verschieden von Mensch zu Mensch.

Es gibt verschiedene Stufen.

Zuhören

  1. Ignorieren = Ich versuche noch nicht einmal zuzuhören.
  2. So tun = Es sieht so aus, als würde ich zuhören, aber ich denke über etwas anderes nach.
  3. Selektives Zuhören = Ich höre zu, wenn ich gerade Bock darauf habe, Hauptsache es ist interessant. 
    Das ist so wie wir meistens kleinen Kindern zuhören.
  4. Aufmerksam zuhören = Ich höre wirklich die Worte. Und damit die Bedeutung die sie für mich haben.
  5. Empathisches Zuhören = Ich höre wirklich mit der Intention zu verstanden zu werden. Ich bin offen. Fokussiert. Ich verstehe das Werte System der anderen Person und ihre Glaubenssätze und was in ihr vor sich geht. Damit habe ich ein viel tieferes Verständnis für die Kommunikation.
  6. Ich beachte alles was in 5) vorgegeben wird, inklusive der 5 Voraussetzungen, die ich weiter oben beschrieben habe. Außerdem zeige ich zusätzlich, dass ich die momentante Situation meines Konversationspartners verstehe.
    Höre also nicht nur mit Deinem Verstand zu, sondern mit Deinen Augen und Deinem Herzen.

Und es gibt noch mindestens eine weitere Ebene, die ich dann aber in einem weiteren Artikel erklären werde.

Manchmal könnte man alles richtig machen, um eine tiefe Verbindung mit jemandem aufzubauen, aber ohne Empathie wird das nichts.
Warum?

Ich erinnere mich dabei an eine junge Frau, die vor einem Club umherwanderte. Offensichtlich war sie ziemlich aufgeregt.
Ich hätte jetzt einfach sagen können:

„Hallo“

oder wie auch immer ich sie begrüßt hätte.
Und von da aus eine Konversation starten.

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Als ich sie sehe ist sie offensichtlich ziemlich aufgeregt.
Ich bemerke auch, dass sie meine ersten Worte gar nicht mitbekommen hat.
Also sage ich stattdessen:

„Hi, ist alles okay mit Dir?“

Sie schüttelt den Kopf und ich sehe, dass sie am Kinn verletzt ist.
Ein paar Tropfen Blut rinnen ihr den Hals hinunter.
Ich kümmere mich erst einmal um sie. Ich suche nach einem Taschentuch, als
es finde wische ich es vorsichtig ab und sage vorher aber:

„Warte, lass mich das wegwischen. Ich bin vorsichtig, ok? Weil es Dir bestimmt wehtut.“

Hat das was mit einer tiefen Verbindung zu tun, wie ich es hier erkläre? Nein, vorerst nicht.
Sehr wohl aber mit Verständnis für ihre Situation. Ihr geht es nicht gut.

Wann ist Empathie an der Reihe?
Bevor ich eine Verbindung aufbaue?
Danach?
Oder währenddessen?

Davor, währenddessen UND danach. Empathie sollte fortwährend sich durch die ganze Konversation ziehen.
Wenn wir das tun, dann werden Menschen offen und ehrlich mit uns kommunizieren.

Was kann ich tun, um empathischer zu sein?

Was für Auswirkungen schafft Empathie?

  1. Schafft Vertrauen und Respekt.
  2. Ermöglicht den Konversationspartnern emotional zu kommunizieren.
    Und kann helfen Emotionen loszulassen.
  3. Reduziert Angespanntheit.
  4. Bringt tiefergründige Informationen ans Licht.
  5. Es ist kollaborativ, nicht kompetitiv, das heisst ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht.

Wie lerne ich Empathie?

Generell bedeutet für Dich, wenn Du lernen möchtest selbst empathisch zu sein, so eine genaue Wahrnehmung der anderen Person zu bekommen,
als wärst Du sie selbst.

Du fühlst was sie fühlt.
Du siehst was sie sieht.
Du hörst was sie hört.
Mit Auge, Ohr, Herz und Verstand und viel Gefühl, für die Situation, die Werte und dem Glauben des anderen.

Ja, Empathie geht weit über eine tiefe Verbindung hinaus.
Und nein, ich werde hier nicht wieder erwähnen, wieviel doch nur die Sprache ausmacht und wieviel die Tonalität und so weiter.
Dazu gibt es genügend Beispiele im Internet.

Wikipedia definiert Empathie so:

Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen.

Zur Empathie gehört auch die Reaktion auf die Gefühle anderer Menschen, wie zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz oder Hilfsimpuls.[1] Grundlage der Empathie ist die Selbstwahrnehmung; je offener man für seine eigenen Emotionen ist, desto besser kann man die Gefühle anderer deuten.[2] Empathie spielt in vielen Wissenschaften und Anwendungsbereichen eine fundamentale Rolle, von der Kriminalistik[3] über die Politikwissenschaft, Psychotherapie, Psychologie, Physiologie, Physiotherapie, Pädagogik,Philosophie, Sprachwissenschaft, Medizin und Psychiatrie bis hin zum Management oder Marketing.

https://de.wikipedia.org/wiki/Empathie

Wie komme ich nun dahin?

  1. Fang erst einmal damit an zuzuhören. Zuhören heißt hier nicht – wie schon weiter oben beschrieben – darauf zu warten, dass Du Deine eigenen Gedanken einwerfen kannst.
    Sondern paraphrasiere. Wiederhole also mit eigenen Worten ab und zu was Dein Gesprächspartner gesagt hat.
    Du kannst auch zuerst die Worte Deines Gegenübers benutzen.
  2. Später kannst Du dann versuchen die Gefühle Deines Gegenübers zu erkennen. Sowohl wie es sich gerade fühlt, als auch was für Gefühle Deine Worte auslösen.
  3. Mach ab und zu eine kleine Zusammenfassung über das Gesagte.
    Bring dabei auch die Gefühle ein, die Du wahrzunehmen glaubst.

Somit gibst Du Deinem Gesprächspartner Raum sich bestmöglichst im Gespräch mit Dir auszudrücken.
DAS ist eines der wichtigsten Dinge für Beziehungen.

  • Was wir oft tun, ist die Worte des anderen zu verurteilen. Das gehört hier NICHT zum Thema. Lass es einfach sein, ok? Halte Dich zurück, wenn Du merkst, dass es wieder aufkommt, dieser Drang den anderen verurteilen zu wollen.
  • Wir alle haben diese speziellen Antworten in uns vorprogrammiert, so dass wir uns deren oft gar nicht bewusst sind.
  • Und meistens haben wir nur unzureichende Fähigkeiten entwickelt, um andere nur durch das Gesagte zu verstehen.
  • Oft geben wir auch – für die andere Person ungewollt – einen Rat basierend auf unseren eigenen Erfahrungen.
  • Meist bleiben wir nur bei uns. Wir stellen Fragen, von uns ausgehend. Nicht von der anderen Person ausgehend.
  • Und wir versuchen ihre Motive und ihr Verhalten basierend auf unserem Verhalten und unseren Motiven abzuleiten.

Wir alle dürsten danach unsere eigenen Gedanken loswerden zu können in einem Gespräch, wie das Wasser die Wüste vermisst. Jedoch nur weil es so ist und sehr viele tun, muss es noch lange nicht richtig sein. Die logische Sprache ist von der emotionalen Sprache sehr verschieden. Und weil zusätzlich auch die Warnehmung von uns verschieden ist, benötigen wir Rückmeldungen von den Menschen um uns.
Die dafür einmal oder mehrmals benötigte Zeit, kommt uns in der weiteren Zeit die wir mit unserem Partner oder Gesprächspartner verbringen, um ein Vielfaches zu Gute.
In jeder Beziehung.

Hier ein Video, mit einer sehr guten Erklärung (Englisch):

(Wenn Du Englisch nicht so gut verstehst, aktiviere einfach den Untertitel)

Wir können ruhig auch die Rückmeldung einfordern und nochmal nachfragen, ob wir richtig verstanden haben. Irgendwie müssen wir es ja lernen, stimmt’s?

Versuch einfach diese Dinge, einmal umzusetzen und wenn Du Fragen hast, schreib mir eine Nachricht oder trag sie unten in das Kommentarfeld ein.

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