Mach mal Pause! Warum gelegentliche Stille in Gesprächen wichtig ist.

Mach mal Pause! Warum gelegentliche Stille in Gesprächen wichtig ist.

Es ist wichtig Pausen in einem Gespräch einzulegen. Vor allem, wenn Du eine tiefe Verbindung aufbauen möchtest.
Warum? Vielleicht hast Du Deine Gesprächspartnerin zum Nachdenken gebracht und deswegen sagt sie gerade nichts mehr.
Weil sie überlegt, wie sie das, was sie Dir als nächstes sagen möchte, formulieren soll.

Oder aber, stelle Dir vor Du sprichst ihr sozusagen aus der Seele und Du merkst gar nicht mal wie ihre Mundwinkel zucken.
Nicht weil sie nervös ist, sondern weil sie antworten möchte.

Gib dem Feuer Zunder
Und damit dem Gespräch Luft zum Atmen

Und Du redest und redest und trittst damit das kleine Feuer,
das Du selbst entfacht hast, sofort wieder aus. Schade.
Sie will ja antworten.
Nur oft wird sie sich nicht trauen Dich zu unterbrechen.
Oder sie schafft es einfach nicht, weil Du es nicht zuläßt.

Deswegen mach Dir das ab jetzt zu Nutze:

Silence is Golden.

Wie man so schön auf Englisch sagt.

In der Ruhe liegt die Kraft.

oder eben auch

Reden ist Silber.
Schweigen ist Gold.

Nirgends gilt das mehr, als wenn man Vertrauen mit jemandem aufbauen will
oder auf einer tiefen emotionalen Ebene eine Verbindung schaffen möchte.

Und ich kann mir schon denken, was Du jetzt als nächstes sagen willst:

„Ja aber, das ist awkward. Ich mag es nicht, wenn ich in einem Gespräch einfach ruhig sein muß.
Das ist so eine unangenehme Spannung.“

Dann frag Dich doch mal folgendes:

Ist die Spannung wirklich unangenehm?
Für euch beide?
Für sie auch?
Oder ist sie nur für Dich komisch?
Weil Du denkst, daß man das so nicht macht.

Genieße die Stille

Hier gibt es ein klein wenig etwas für Dich zu lernen:

Ab jetzt möchte ich, daß Du Dich jedes Mal über die Pausen freust.
Vor allem wenn Du sie verursacht hast.
Genieße die Stille. Lass die Pause da sein.
Musik lebt genauso davon. Ohne Pausen kein Ton.
Das eine kann ohne das andere existieren.

Die Pause ist nur störend, wenn Du sie als störend empfindest.
Ebenso ist sie sehr angenehm, wenn Du sie als angenehm empfindest.
Und das überträgt sich auch auf Deinen Gesprächspartner.
Das heißt eben auch, dass Du über die Bedeutung und Auswirkung der Pause bestimmen kannst
und es auch tun solltest.

Wenn Du eine Gesprächspause einlegst, gibst Du ihr damit die Möglichkeit, alle Punkte die Du bei ihr getriggert hast, anzusprechen.
Sie kann und wird Dir erzählen wollen. Vielleicht sogar ziemlich viel.

Und bleib dabei. Lerne die Spannung auszuhalten, die Du im Innern fühlst.
Auch wenn es am Anfang für Dich unangenehm sein mag.
Und es wird eine Weile dauern, falls Du es noch nicht gewohnt sein magst.
Durchhalten!

3 verschiedene Gesprächspausen

Es gibt mindestens 3 Arten von Pausen, die im Gespräch entstehen können.

1.) Du hast irgendetwas gesagt oder sie an etwas erinnert, das unangenehm ist.
2.) Eine Pause zum Nachdenken – diese Pause wirst Du hier am meisten erleben.
3.) Ein Richtungswechsel findet statt – zum Beispiel hat sie gerade eine Frage formuliert oder ihre Gedanken geäußert und warte jetzt darauf, dass Du wieder weiterredest.
4.) Um die Spannung zu erhöhen, das kann auch sexuelle Spannung sein.

Beispiele

Nehmen wir einige dieser Beispiele genauer unter die Lupe.
Damit Du Dir genau bewußt wirst, wie sich diese Pausen auswirken,
was Du dagegen und in einigen Fällen dafür tun kannst,
damit sich die Pausen zu Deinen Gunsten auswirken.

Hier zeige ich Dir einfach die offensichtlichsten auf, damit Du eine Idee bekommst wie Du damit umgehen kannst.

1.) Unangenehme Erinnerung

Das kann immer passieren, wenn z.B. eine Situation getriggert wird aus ihrer Vergangenheit.
Dann gilt es Verständnis zu zeigen. Und bleib ruhig. Du hast keinen Fehler gemacht.
Woher solltest Du das auch wissen? Du kanntest sie ja noch nicht. Oder eben nicht so gut. Nicht auf dieser Ebene.
Nur genau das soll sich eben ändern.

Es kann ebenfalls passieren, wenn Du ziemlich unkalibriert geantwortet/geredet/verurteilt hast.
Dazu ein Beispiel:

Nehmen wir an sie kommt ursprünglich aus Peru und Du magst dieses Land nicht.

Du: „Aus welchem Land kommst Du eigentlich?“
Sie: „Peru“
Du: „Peru mag ich überhaupt nicht. Und ebenfalls alles was auch nur im entferntesten damit zu tun hat!“
Sie: „Ja dann…“, sie schaut Dich kurz intensiv an, also ob sie etwas sagen wollte, dann nach unten.

Du wartest. Nach 2 Minuten sagt sie immer noch nichts. Und Du spürst diese unangenehme Stille.
Du unterbrichst die Stille und sagst:

Du: „Wollen wir uns morgen auf einen Kaffee treffen?“
Sie: „Nein, danke. Ich glaube ich gehe jetzt nach Hause. Es ist schon spät. Und ich muss noch lernen.“
Du: „Es ist doch erst 8 Uhr.“
Sie: „Eben. Sag ich doch spät. Bedienung, die Rechnung bitte. Danke.“

Als die weibliche Bedienung kommt, tauschen die beiden einen Blick aus, den Du nicht verstehst.
Danach steht sie auf und geht: „Ciao.“ Das ist das letzte was Du von ihr hörst.

Was ist hier passiert?

Wie sagtest Du nochmal:

„Peru mag ich überhaupt nicht. Und ebenfalls alles was auch nur im entferntesten damit zu tun hat!“

Ok, dann magst Du also das Land nicht so. Soweit so gut. Aber Du sagst, alles was auch nur im entferntesten zu tun hat.

Aus welchem Land ist sie denn nochmal? Peru? Soweit so gut, stimmt’s?
Nein! Überhaupt nicht! Spätestens hier solltest Du Dir bewußt machen, Du hast damit einen Teil ihrer Identität verletzt.
Ob sie Peruanerin sein will gebürtige oder nicht, daran kann sie nichts ändern. Es ist ein Kernteil von ihr.
Oder wie man ebenfalls sagt: Ihr Herz ist in Peru zuhause. Ob es Dir gefällt oder nicht.
Und Du hast gerade gesagt, dass Du Peru und alles was auch nur irgendwie damit zu tun hat überhaupt nicht magst.
Das kann sie in dieem Fall nur auf sich beziehen.

Also mal ganz einfach ausgedrückt: Du hast sie damit beleidigt, verurteilt und in eine Schublade gesteckt.
Und vor allem akzeptierst Du sie nicht, wie sie ist. Sondern nur so wie Du sie gerne hättest.

Achte also in Zukunft mehr auf die Reaktionen, die Du bekommst, damit so etwas nicht mehr passiert.
Ich wette mit Dir, wenn Dich jemand anders verurteilt, auch nur im entferntesten, gefällt es Dir mindestens
genau so wenig.

2.) Pause um nachzudenken

DAS ist genau die Art von Pause, die ich meine. Die, die Du genießen sollst.
Warte. Lass sie nachdenken und reden, bis sie fertig ist.
Egal wie lange es dauert. Auch wenn sie in die Luft zu schauen scheint.
Du kennst garantiert den nachdenklicken Blick, den manche Menschen dann eben haben.

Dazu ein Beispiel:

Ihr habt schon ein wenig connected und Du erzählst, was Freiheit für Dich bedeutet und dann fragst, Du:

„Wie ist das für Dich? Was bedeutet Freiheit für Dich?“

Und plötzlich ist sie ruhig. Du siehst aber, dass es in ihr rattert.
Sie hat einen nachdenklicken Blick.

Falls Du Dich für NLP interessierst, könntest Du dabei auch darauf achten in welche Richtung sich ihre Augen bewegen.
Dann wüsstest Du sicherer, ob sie sich gerade an ein Geräusch erinnert – vielleicht in der Natur, an ein Bild – womöglich ein Ort an dem sie schon einmal war, oder eine Bewegung – etwas was sie dort gemacht hat. Dort wo sie sich frei gefühlt hat.

Warum denkt sie nach?
Um sich das selber noch mal klarzumachen, was es denn wirklich bedeutet frei zu sein.
Weil – mal ehrlich – wann hat man Dich das letzte Mal gefragt, was Freiheit für Dich bedeutet?
Wurdest Du das überhaupt schon ein Mal in Deinem ganzen Leben gefragt? Nein?
Ich denke, dann ist es auch nicht schwierig zu begreifen, warum dieses Gespräch herausragend ist.
Gleichzeitig kann es ebenfalls sein – sie weiß genau was Freiheit für sie bedeutet, sie fühlt es, spürt es – hat es jedoch noch nie jemandem erklärt. Das ist das erste Mal und sie muss erst die richtigen Worte finden. Das ist eben gar nicht so einfach.
Je nachdem wie tief ihr emotional connected habt, muss sie dazu erst die richtigen Gedanken sammeln und fassen.
Dann wird sie Dir auch antworten.

3.) Richtungswechsel

Hier kannst Du weitermachen wie Du möchtest.
Richtungswechsel bedeutet in diesem Sinne, sie hat Dir gerade alles gesagt, was sie sagen wollte und wartet jetzt auf Deine Reaktion.
Sie denkt also nicht nach, sondern will dass Du die Verantwortung übernimmst und das Gespräch weiterführst.

Es gibt noch mehr Gründe, warum eine Gesprächspause gut ist.
Hast Du Dich schon mal mit jemandem unterhalten, der voll bei Dir war mit seiner Aufmerksamkeit?
Der alles über Dich wissen wollte, weil er sich ehrlichu und aufrichtig für Dich interessiert hat?
Wenn ja, herzlichen Glückwunsch. Denn wir wünschen uns das alle. Nur passiert es heutzutage leider ziemlich selten.
Und es gibt Dir ein gutes Gefühl. Wie ein angenehmer warmer Sommerregen. Oder die Sonne auf Deinem Gesicht.
Oder eine kühle Brise wenn es unglaublich heiß ist. Oder wie wenn Du mega durstig bist und plötzlich Wasser trinkst.
Und Du denkst, oh mein Gott schmeckt das geil.
Solche Menschen geben einem dieses Gefühl. Es passiert einfach.

Bei manchen denkt man dann, das war der tollste Mennsch der Welt.
Und wenn es jemand noch viel besser beherrscht, denkst Du: „Ich bin der tollste Mensch der Welt.“

Warum ist dann die Pause gut, ausgehend von demjenigen der das Gefühl im anderen erzeugt?

Ganz einfach. Wenn Du so lange danach gedürstet hast, dann wirst Du mehr davon haben wollen.
Es gibt Menschen die das dankend annehmen können.
Und es gibt andere die das dauernd verlangen.

Du siehst also eine Pause ist wichtig.

Wie würde man sonst auch z.B. wissen, ob eine Musikstück zu Ende ist, gäbe es keine Pausen. Nicht möglich.
Pausen sind so essentiell wie das Salz in der Suppe.

Ich hoffe ich konnte Dir damit genügend Zunder für Deine nächsten Gespräche geben.

Pausen sind wie die Luft, das ein Feuer zum Brennen braucht.

4.) Sexuelle Spannung

Sollt eine sexuelle Spannung entstehen, lass sie einfach da sein.
Du hast das noch nicht erlebt? Das ist meist eine von diesen Pausen, die man als awkward empfindet.
Und schnell wieder mit Gesprächsinhalten füllen will, weil sie kaum auszuhalten ist.
Unterbrich sie nicht durch Stille, meistens sind wir das einfach nicht mehr gewohnt.
Es ist uns unangenehm und deswegen fangen wir wieder an zu reden.
Es gibt uns kein gutes Gefühl und weil wir gelernt haben, schlechte Gefühle zu unterdrücken, stopfen wir auch noch dieses ins
Unterbewusstsein. Nicht gut. Die Pause ist ein Freund.
Halte die Pause also in Zukunft aus und Du wirst lernen,
wann sie wichtig ist, warum sie wichtig ist und wie einen guten Freund immer wieder konsultieren

Denn wenn Du sie immer wieder vermeidest, wirst Du nie wirklichen
Nutzen aus ihr ziehen. Es ist ok davor Angst zu haben, vor allem wenn man erst lernen muss damit umzugehen.
Die Pausen aber zu unterdrücken, weil man die Angst nicht spüren möchte, ist meiner Meinung nach total falsch.
Dann hab eben Angst. Spüre das Gefühl und mach die Pausen trotzdem.

Weitere Gründe, warum Pausen entstehen können.

Gibt es noch mehr Gründe, warum Pausen entstehen können?

Sicher, die gibt es. Nur sind es dann Gründe, die nicht besagen, dass Du Pausen machen sollst und einlegen sollst.
Nein, dann sind es Pausen, die einfach entstehen.

Es kann genauso gut sein, dass einer von euch plötzlich eine Nachricht erhält, die nicht unbedingt erfreulich ist.
Und derjenige von euch starrt wie gebannt darauf und sagt einfach nichts mehr.

Ein weiterer Grund – den wir wohl alle schon einmal erlebt haben – wir wissen einfach nicht, was wir sagen sollen und eine Pause entsteht.
Das ist meistens die unangenehmste Pause. Wir wollen sie nicht erleben. Es fühlt sich einfach nicht gut an. Und peinlich. Genau deswegen gibt es auch so viele Strategien und Kursen, um die Pausen zu vermeiden.

Nur eine wichtige Grundvoraussetzung wird oft vergessen, welche?
Bevor Du versuchst die Pause zu vermeiden: Akzeptiere sie. Akzeptiere jede Art von Pause.
Leb mit ihr. Fühle, wie sich das anfühlt und wenn Du mal nichts mehr zu sagen weißt, dann sei einfach still,
bis Du gelernt hast, wie Du das wahrnimmst. Und ob es wirklich so schlimm ist.
Erst wenn Du das voll akzeptiert hast, kannst Du anfangen etwas dagegen zu tun.

Ja, aber wie mache ich denn jetzt Pause?


Du kannst z.B. einfach langsam reden. Und nein, das bedeutet überhaupt nicht monoton zu reden.
Vielleicht redest Du ja sowieso ziemlich schnell. Haben die Menschen dabei, die ihren Verstand nicht einfach so abstellen können eigene Gedanken? Ach so, genau. Wenn du das noch nicht weisst, frag sie doch einfach mal danach.

Du kannst zwischen zwei Sätzen einfach kurz warten.
Du kannst auch einfach sagen, was Du sagen möchtest in diesem Moment, egal wieviele Sätze es sind.
Dann bist Du einfach ruhig.
Du kannst auch einfach ruhig sein. Stille entstehen lassen. Egal ob Du gerade etwas gesagt hast oder nicht.
Mit der Zeit wirst Du merken, wann die richtige Art von Pause angebracht ist.

Denkt also jemand nach, weil Du gerade etwas gefragt hast, lass der Person die Zeit nachzudenken.
Erzählst Du etwas, was der andere noch nicht kennt, lass Pausen entstehen.
Die Stille gibt Deinem Gesprächspartner Zeit über das gesagte nachzudenken.
Denn unser Verstand liebt es oft über Dinge nachzudenken und sich regelrecht an einzelnen Wörtern festzubeissen.

Jeder ist gewzungen ein wenig mit dem Redner mitzuatmen, wenn Du also schnell und hastig redest,
ist das auch mega anstrengend für Deinen Gesprächspartner und kann ihm buchstäblich die Luft rauben.
Gib also dem Gespräch, Dir und Deiner Gesprächspartnerin die Luft zum atmen.

Und in Zukunft hast Du ebenfalls eine andere Präsenz.

Training